Forschung in den Künstlerischen Therapien
»Die Theorie entscheidet darüber, was wir beobachten können« (Einstein)
Mit ein wenig Vorlauf entstanden die Künstlerischen Therapie: Musiktherapie, Kunsttherapie, Tanztherapie, Dramatherapie, Bibliotherapie in meiner persönlichen Lebensspanne.
Neben der Entwicklung der Praxis mit der Ausdifferenzierung verschiedener Methoden und Anwendungen ging es dabei von Anfang an immer auch um die Frage ihrer "Erforschbarkeit". Dabei standen dem Schöpferischen und Individuellen dieser Therapieformen schnell die zur gleichen Zeit aufkommenden Ansprüche einer "Evidence Based Medicine" gegenüber. Mit den daraus entstehenden Fragen habe ich mich viel beschäftigt und versucht, den Wert und die Bedeutung der qualitativen Forschungsmethoden aufzuzeigen.
Kritische Auseinandersetzungen
Geht es um Erkenntnis und Verstehen oder um Beweisbarkeit und Zulassungsfragen? 1990 unternahm ich einen ersten Versuch, anhand der immer wieder auftauchenden Klischees von Wissenschaftlichkeit aufzuzeigen, dass eine Modifizierung des Wissenschaftsbegriffes notwendig ist, um den Prozessen gerecht zu werden, um die es in den Künstlerischen Therapien geht. Die Forderungen nach Reproduzierbarkeit, Objektivität und Empirie wurden auf ihre Angemessenheit in Bezug auf den Untersuchungsgegenstand hin betrachtet und auf ihren Sinn zur Gewährleistung wissenschaftlichen Vorgehens hin untersucht. Anhand dieser Stichworte wurden konkrete Vorschläge zu einer Modifizierung gemacht und durch die Forderung nach einer eigenen wissenschaftlichen Gegenstandsbildung ergänzt.
Der Text "Forschen oder Heilen" von 2011 versteht sich als Plädoyer für ein freieres und interdisziplinär offenes Verständnis von Forschung und Therapie. Anhand von 15 Thesen habe ich versucht, destruktive Auswirkungen des herrschenden Forschungsparadigmas aufzuzeigen wie die Zerstörung kollegialer Zusammenarbeit, die als Qualitätssicherung getarnte Sicherung von Machtstrukturen, die Reduktion wissenschaftlichen Denkens auf ökonomische Logiken, den Verlust wissenschaftlicher Redlichkeit und die Entkontextualisierung seelischen Leids.
Beide Texte und weitere Veröffentlichungen zu diesem Thema finden sich in den Schriften zur Habilitation Band 3.
Spätere Ausführungen wurden u.a. in der Reihe "Wissenschaftliche Grundlagen der Künstlerischen Therapien." veröffentlicht.
Methodenentwicklung zur musiktherapeutischen Forschung
In der Forschungsgruppe zur Morphologie der Musiktherapie entwickelten wir in den 1980er Jahren eine Methodik zur Analyse musiktherapeutischer Improvisationen sowie eine Systematik zur Analyse von Behandlungsverläufen. Sie wurden erstmals 1988 in meiner Dissertation Ich singe, was ich nicht sagen kann. Zu einer morphologischen Grundlegung der Musiktherapie veröffentlicht. Später fanden sie Anwendung, Differenzierungen und Modifikationen in Diplom-/Masterarbeiten und Dissertationen. Über den Einzelfall hinaus wurden dabei auch vergleichende Untersuchungen musiktherapeutischer Improvisationen von Patient:innen mit gleichen Krankheitsbildern durchgeführt.
Überblicksarktikel zur morphologisch orientierte Musiktherapie
Aufsätze zur Musiktherapie bis 2005 finden sich in den Schriften zur Habilitation Band 2, spätere in der Forschungsdatenbank der Uni Münster und den Portalen ReserachGate und Academia.edu.
Musikpsychologie
Nach meiner Auffassung konnte die Musiktherapie mit der Schwerpunktsetzung auf das Improvisieren auch einen Beitrag zum Musikbegriff leisten, der sich deutlich von dem der westlichen, werkorientierten Musikwissenschaft unterscheidet. Beschrieben ist das in dem Artikel "Zum Musikbegriff der musiktherapeutischen Improvisation." Weitere musikpsychologische Auseinandersetzungen ziehen Verbindungen zwischen Musik und Selbstpsychologie, Morphologie und Gestalttheorie.
Die bis 2005 veröffentlichten Schriften dazu finden sich in den Schriften zur Habilitation Band 1, spätere in der Forschungsdatenbank der Uni Münster und den Portalen ReserachGate und Academia.edu.
Märchenforschung
Meine Märchenforschung widmete sich anhand der Untersuchung von über 300 Märchen einerseits der Fragestellung des Musikbegriffs in den europäischen Volksmärchen. Zum anderen stellte ich auch hier eine Methodik vor, die von Erlebensbeschreibungen ausgeht und mithilfe morphologischen und psychoanalytischen Rüstzeugs zu einer intersubjektiven Deutung von Märchen führt. Daneben enthalten meine Beiträge zur Märchenforschung vergleichende Untersuchungen, die Analyse einzelner Märchen, auch außerhalb des europäischen Kulturkreises sowie praktische Ideen zum Umgang mit Märchen in verschiedenen sozialen Kontexten wie der Arbeit mit Kindern, mit alten oder behinderten Menschen und in der interkulturellen Arbeit. Ein Beispiel:
Der Junge mit der Harfe – Morphologische Untersuchung zu einem Märchen aus Burma.
Morphologische Psychologie
Seit 2022 bin ich Mitglied der Redakation der Fachzeitschrift für Morphologische Psychologie Zwischenschritte. Gerne vermittele ich Veröffentlichungswünsche in diesem Format.
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